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Lass Dich doch streicheln!

Kann man Depressionen "wegstreicheln"?

Eines der wichtigsten Bedürfnisse des Menschen ist vielleicht das Gefühl der Zugehörigkeit. Also von anderen wahrgenommen und gesehen zu werden und natürlich auch in einer Art Zuwendung zu bekommen. Die Transaktionsanalyse nach Dr. Eric Berne kennt dazu den Ausdruck "Stroke", vielleicht am besten als Streicheleinheit übersetzt. Ohne diese Streicheleinheiten werden Menschen unzufrieden und laut den Erfahrungen von Claude Steiner sogar depressiv. Er ist sogar der Meinung, dass jeder der unter Depressionen und Ängsten leiden immer auch an Vitamin-"Streicheleinheit-Mangel" leidet. Wir brauchen diese Streicheleinheiten von Geburt an. Es gibt auch Berichte, dass Neugeborene in Kinder-Heimen ganz ohne die so dringend benötigte persönliche tägliche Zuwendung, psychische Probleme bekamen. https://www.youtube.com/watch?v=oa4xRXFch8k

Und genau um diese Streicheleinheiten gieren wir Menschen daher unser gesamtes Leben. Wir haben im Inneren unseres Körpers sozusagen eine Bank, wo wir jede dieser einzelnen erhaltenen Streicheleinheiten wie Erspartes einlegen und horten. Damit da bloß niemals ein Mangel auftritt! Wir können auch Strokes, die wir in uns abgelegt haben, auch mehrmals wiederverwenden. Aber es sollte ständig genug nachgefüllt werden, damit wir nicht irgendwann pleite sind. Denn sonst leiden wir an Strokes-Mangel und fühlen uns in Folge nicht gut, besonders auch irritiert und irgendwie verloren, ängstlich und leer.

Beispiele für Strokes

Teilweise wirken Strokes eigentlich banal. Man sollte sich aber vielleicht da nicht täuschen. Sie haben eine so große und wohltuende Wirkung auf uns. Einfach einmal ausprobieren. Oder wie würde man sich fühlen 2 Wochen isoliert vom Rest der Menschheit? Ganz ohne Kontakt zur Außenwelt, dazu ganz ohne Handy & Co.

  • Verbale Strokes : z.B. verbale Bitte um Strokes: „Heute schneit es wirklich heftigl!“ Antwort-Stroke: „Ja, wirklich heftig, Sie haben recht!“ usw. Würde nun vom anderen auf meine Feststellung null Antwort kommen, fühlt sich das unangenehm und sehr irritierend an. Wir leiden an Vitamin Stroke-Mangel.
  • Nonverbale Strokes. Diese funktionieren ohne Worte, nur durch Berührungen, eine Umarmung, ein Handschlag, ein Schulterklopfen, oder nur durch ein Zuzwinkern oder Lächeln usw.
  • Negative und positive Strokes: Ja, es gibt auch negative Strokes, diese sind uns Menschen aber kurioserweise immer noch viiiiiiel lieber, als gar keine! Fehlen die positiven wird dann auch um negative Strokes, sogar heftig, gerungen. Das Blöde ist nur, dass man sich so leider nur selber ins Bein schießt. Man merkt dies aber nicht, es ist wie ein blinder Fleck. Wenn ich das nun klar erkenne, kann ich diese negativen Handlungen endgültig lassen. Im Leben weiterkommen und mich endlich positiven Strokes zuwenden, die mich dann auch wirklich befriedigen. Dass Menschen auch um negative Strokes gieren, dazu gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen, es ist kaum zu glauben aber wahr. Aber vielleicht wenn man genau überlegt, wie war das als Kind? Wenn ich so überlege: Die Mutter nahm keine Kenntnis von mir und sie stand (frecherweise) voll beschäftigt in der Küche und ich wollte Strokes. Was tun, wenn die positiven einfach unerwidert bleiben?  Wie: "Mama komm mal her ich will Dir mein neues Bild zeigen usw.!" Da Mama zu viel mit Umrühren beschäftigt war, hab ich mich dann mal rasch um negative Strokes bemüht und was angestellt. Dann wurde endlich von mir Notiz genommen und fühlte mich wieder lebendig und gut. Auch wenn ich dann etwas „gebeutelt“, quasi kräftig gegen den Strich, gestreichelt wurde.

 Eine weitere sehr wichtige Unterteilung sind nun die bedingten und unbedingten Strokes:

  • Bedingte Strokes: Manche Eltern haben ihre Kinder ausschließlich nur dann die Liebe gezeigt (Bedingung), wenn es gute Leistungen erbrachte.: Beispiel bedingter Stroke: „Also Du bist unser bester, denn mit solchen Noten müssen wir Dir wirklich sagen, dass wir Dich deswegen nun sehr lieben!“. Klar so krass hat es wohl dann keiner ausgedrückt, das funktioniert aber leider auch ohne Worte! (nonverbal). Kinder verstehen rasch. Sie sind die besten Beobachter wie sie an Strokes kommen. Natürlich in einem normalen Rahmen geben uns diese bedingten Strokes auch Feedback über unsere Leistungen. Aber als Bedingung für Liebe sind sie ungeeignet. Die positiv bedingungslosen Strokes sollten schon bei weitem überwiegen, damit das Kind nicht glaubt sich die Liebe der Eltern erst durch Leistung verdienen zu müssen. So etwas kann im späteren Leben sonst ziemlichen Gefühlswirrwar und Burnout begünstigen.

MERKEN: Bedingungslose positive Strokes:

Am besten sind natürlich die positiven Strokes und zwar die bedingungslosen! Denn sie sind das Lebenselixier unseres Selbstwertes.

  • „Ich liebe Dich!“
  • „Du bist so ein toller Mensch!“
  • "Schön dass Du da bist!"
  • "Du bist ein wertvoller Mensch!"
  • "Lass Dich umarmen!"
  • "Soll ich Dir den Rücken massieren?"
  • "Mit Dir fahr ich am liebsten weg!"
  • "Es freut mich, dass ich Dich sehe!"
  • "Wie schön, dass es Dir gut geht!"
  • „In Deiner Nähe fühle ich mich so wohl!“
  • ...

 

  • Negative bedingte Strokes: „Du hast wirklich versagt, wie kannst Du nur so blöd sein und eine Delle ins Auto machen?!“ Diese Strokes sind wenn sie in einem normalen Rahmen und wirklich respektvoll ausgedrückt werden auch wichtig. Sie zeigen, dass nicht alles erlaubt ist im Leben. Und vor allem sie helfen manchmal dabei dass wir uns weiterentwickeln. Wir brauchen Grenzen, als Kinder und ebenso als Erwachsene, damit wir uns wohl fühlen. Vorausgesetzt wir erhalten ausreichend unbedingte positive Strokes!! Man kann das möglicherweise gar nicht oft genug betonen.
  • Unbedingte negative Strokes, die sind nun wirklich unterirdisch: „Du bist blöd!“
  •  Unechte Strokes: Es gibt auch fühlbar unechte Bla-Bla-Strokes. Diese sind die allseits bekannten leeren Schmeicheleien. Die will keiner, denn das merkt man. Man spürt das, sie wirken gekünstelt und total unecht. Und sie tun auch nicht gut.

Zusammenfassung:

  • Menschen sagen sich: Ein negativer Stroke (oder Aufmerksamkeit) ist immer noch besser als gar keiner. Auch Therapeuten sind Stroke-Banker... kostet halt was...und kommt nicht vom Herzen. Hat  schon auch was von einem unechten Stroke.
  • Wir sollten echte Strokes verwenden, keine Bla-Bla-Schmeichler.
  • Besser sind unbedingte positive Strokes!
  • Wenn wir einmal wissen, wie wir an die heiß ersehnte Stroke-Zuwendung kommen, ob nun positiv oder negativ, wird sich Programm dauernd wie konditioniert (unbewusst) automatisch abspulen.  Damit man auch wirklich genug davon ab bekommt! Wenn das negative Strokes sind, kann man das wenn man will , auch bewusst stoppen! Denn wir sind  vielleicht doch keine sabbernden Hunde. (Stichwort Pawlowscher Hund). 
  • Vitamin Stroke-Mangel vermeiden! Unsere Psyche ist die Wurzel der körperlichen Gesundheit.
  • Keine Angst, die positiven Strokes gehen niemals aus. Wir können und dürfen diese unbegrenzt schenken. Auch wir uns selber, diese wirken zwar schwächer, aber das ist besser als nichts! Und wir dürfen auch selber um Strokes bitten und diese auch annehmen. Egal in welcher Form auch immer.
  • Und ganz wichtig, wir dürfen Strokes auch ablehnen. Ich kenne viele Personen die jeden ganz fest umarmen und schön feucht, vielleicht noch selber schön verschnupft, abknutschen. Und ich kenne auch Personen die davon sowas die Krise und sogar Platzangst bekommen.
  • Also immer angemessen seine Bedürfnisse äußern. Wir Menschen sind frei, auch unsere Gedanken und Gefühle. Auch wenn wer nein sagt, muss das auch jeder akzeptieren. Man darf Strokes natürlich auch grundlos ablehnen.
  • Katze als Vorbild! Diese holt sich Streicheleinheiten wann immer sie will. Und es gefällt ihr!

 

Dürfen wir andere um Strokes bitten?

Na klar, nehmen wir uns doch an Katzen ein Beispiel! Ja und solche Strokes wirken genauso und füllen unser Bankkonto. Aber andere um Strokes zu bitten fällt vielen schwer. Warum fühlt sich eine solche Bitte so eigenartig an, sie kostet doch nichts? Laut Claude Steiner (Wie man Lebenspläne verändert), hätten unsere Eltern uns unbewusst Stroke-Regeln beigebracht, Eltern haben das anscheinend gemacht um uns zu lenken. So spielen die Eltern "Zentral-Stroke-Bank". Also nur bei ihnen darf ich mir mit gutem Gefühl Strokes abholen. Und als Erwachsener halten wir uns heute noch an diese imaginiären Stroke-Verbote:

  • Gib keine Strokes, auch wenn Du gerne möchtest ! z.B. denkt man sich "Wer weiß ob der andere überhaupt einen Stroke will?" und bleibt lieber untätig.
  • Bitte nicht um Strokes, wenn Du welche brauchst!  z.B. denkt man sich "Wer weiß ob der andere das nun nur tut, weil ich darum gebeten habe"? Aber was wenn der andere sich einfach nicht getraut hätte und gern einen Stroke geschenkt hätte? Siehe Stroke Verbot Nr. 1?
  • Nimmt keine Strokes an, wenn Du welche willst ! z.B. Wenn ich für meinen neuen Haarschnitt gelobt werde, sagt man anstatt freudig danke: "Ach hinten wurde es halt ein wenig kurz, dadurch wirkt mein Hals so dick usw."
  • Lehne keine Strokes ab, wenn du sie nicht willst! z.B. schau lass Dich doch von Tante Edeltraud abknutschen, auch wenn die Wange danach nass ist! Sie meint es doch nur gut usw.
  • Stroke Dich nicht selbst!  z.B. gemäß den Worten der Eltern: "Selbstlob stinkt!"

(sinngem. aus "Die Transaktionsanalyse von Ian Stewart und Vann Joines" S. 124)

Stroke-Wettbewerb:

Los geht’s. Diese Woche ist die Woche der Strokes. Wer macht mit? Vielleicht am besten fleißig und jedem dem man möchte Strokes nach Wahl austeilen. Und auch andere gezielt um diese heiß ersehnten Strokes bitten. Vielleicht in einer Woche um 4 Stk. Strokes bitten und auch 4 ausgeben?! Unbedingt auch feststellen, welche Strokes man wirklich benötigt und welche man gar nicht leiden kann. Und welche andere Personen mögen, oder auch nicht. Tipp: Körpersprache beobachten! Laut Claude Steiner ist ein ehrliches, zufriedenes Lächeln oder ein ehrliches "Danke" ein guter Hinweis.

  • Motto: „Liebe Deinen Nächsten“ und wie Jesus schon sagte: „Besser ist schenken als beschenkt zu werden!“ Das sind weise Aussprüche, denn vor allem das Geschenkte kommt einem selber wieder zu gute, Stichwort: Spiegelneuronen! Blog:

Stroke-Ideen?

  • Eine Umarmung
  • Anerkennendes ehrliches auf-die-Schulter-klopfen. Anderen und sich selber! z.B. sich selber ein Kurz-Referat halten was man an sich gut findet.
  • Selbststrokes: Es sich gut gehen lassen, Wellness, Füße hochlagern, ein wirklich gutes Buch lesen und genießen.
  • Glas guter Wein, leckere Tasse Kakao, Ein gutes Essen genießen Umami Kuchen Torten Veganerfleisch... für wen anderen sein absolutes Lieblingsgericht kochen usw.
  • Andere um sein absolutes Lieblingsgericht bitten!
  • Um ein Lob bitten, es geht ganz einfach: "Kannst Du mich bitte loben?" "Kannst Du mir bitte sagen, dass ich klug bin?" Kannst Du mir bitte sagen, dass ich wirklich innere Stärke besitze?"
  • Andere darum bitten, dass sie ohne Einschmeichelei  und ohne zu kritisieren, ca. 3 min. lang stroken, dies kann auch eine banale Rückenmassage sein ...  Bei manchen stark Strokes-Unterversorgten ist Massage ein regelrechtes Heilmittel. Auch Reflexzonenmassagen usw. Warum mal nicht wieder zum Masseur des Vertrauens gehen oder Massagegutscheine verschenken?
  • Kreativ tätig werden und das meiste verschenken. Den Stroke des anderen darauf bewusst wahrnehmen und auf die "Stroke-Bank" legen!
  • In die Natur gehen mit Freunden oder Tieren
  • Gute Kontakte pflegen
  • Aber auch aufräumen, umräumen, dekorieren und sich daran erfreuen
  • Etwas Neues erfinden, sehr spannend finde ich. Den kleinen Professor in uns, der uns von Geburt an begleitet wird sich freuen
  • Gartenpflege, Tratsch mit dem Nachbar oder einfach und angeregt mit Wildfremden
  • Mit Kindern und Tieren ausgelassen spielen
  • Katze streicheln...,
  • Sport und hinterher es sich gutgehen lassen
  • Massage des Partners
  • Spiele spielen uvm.
  • Laut Dr. Eric Berne ist mit Abstand am befriedigendsten das Miteinander mit unseren Nächsten. Gute und offene Gespräche, damit man spürt dass man wirklich spürbar geschätzt wird. Am erfüllensten sind Gespräche von unserem inneren freien Kind zum innneren freien Kind des anderen. Also lockere, vorurteilsfreie, offene, kreative, angstfreie Gespräche! Vielleicht sogar bei einem Glas guten Wein?

https://transaktionsanalyse.audio/strokes-3/ 

https://transaktionsanalyse.audio/strokes-1/

https://transaktionsanalyse.audio/stroke-oekonomie/

Motivations-Metapher: Andere Wege gehen

Erster Tag: Ich gehe eine Straße entlang, am Gehsteig. Plötzlich tut sich vor mir ein Loch im Boden auf. Ich stürze hinein. Ich bin verloren. Ich weiß, ich muss sterben. Kläglich rufe ich um Hilfe. Dann, nach endlos langer Zeit, kommt mir jemand zu Hilfe, hilft mir heraus aus dem Loch.

Zweiter Tag: Ich gehe die gleiche Straße entlang, am gleichen Gehsteig. Vor mir tut sich unerwartet wieder das Loch im Boden auf. Ich stürze hinein. Ich habe Angst. Aber ich rapple mich auf, und ich erkenne, dass es eine Möglichkeit gibt, wie ich mich selbst befreien kann. Das ist mühsam, aber es gelingt mir schließlich doch.

Dritter Tag: Ich gehe die gleiche Straße entlang, am gleichen Gehsteig, und da ist wieder das gleiche Loch. Ich falle wieder hinein - aus reiner Gewohnheit. Ich ärgere mich über mich selbst, klettere auf dem mir nun schon bekannten Weg heraus und gehe weiter.

Vierter Tag: Ich gehe wieder die gleiche Straße entlang, am gleichen Gehsteig, sehe das Loch vor mir - und wechsle die Straßenseite.

Fünfter Tag: Ich nehme eine andere Straße.

Quelle: Prof. Dr. med. Nossrat Peseschkian, https://www.eagle-vision-communication.de